Sonntag, 27. Juli 2014

Don't tell me the sky is the limit when there are footprints on the moon.



Wessen Lebensweg ist schon gerade? Und überhaupt: wer will sowas denn bitte noch? Sind wir nicht längst über diese "guten, alten Zeiten", in denen alles steif nach generationsübergreifenden, langweiligen, nichtsnutzigen Maßstäben ging, hinweg? Ich hoffe doch. Denn Konventionen mit Begründungen à la "Früher war alles besser" durchdrücken zu wollen, ist mir so fremd und verhasst, dass ich keine Worte für diesen stupiden Konservatismus finde, der Fortschritt unmöglich macht und für den Zeitgeist ein Fremdwort ist. Menschen belügen sich mit solchen Sätzen auch nur selbst, Konventionen wurden nie eingehalten, es wurde lediglich der peinliche Versuch unternommen, dem Menschen sein Mensch-Sein aberziehen zu wollen, was ohnehin zum Scheitern verurteilt war, denn die Natur findet immer Wege, Menschen immer Schlupflöcher, unangenehme Wahrheiten immer Verstecke und Perversion immer Hinterzimmer zur Auslebung.
Mein Weg war nie gerade. Gut, bis zu einem gewissen Punkt schon. Aber auch da nicht wirklich. Ich habe nie darauf bestanden, "anders" zu sein, aber war es immer doch ein wenig. Ich hatte nie viele Freunde und wollte nie welche, wurde als "sozial arm" betitelt und von Menschen, die ich liebte, verurteilt. Ich lieferte Leistungen ab, bis ich das Interesse an ihnen verlor. Mein Abi hätte besser sein können, ich hätte das studieren können, was ich ursprünglich wollte und säße wohl nun genauso ohne Jobperspektive dar. Rückblickend betrachtet war das Notnagel-Studium aber gar nicht schlecht. Ich hätte brav meinen Master beenden können, aber merkte, dass er mich nicht erfüllte. Ich brach im 2. Semester ab, den Titel zum Greifen nah - und war nie glücklicher. Jobperspektive habe ich, unzählige Möglichkeiten, aber vielleicht geh ich doch lieber erst ein Jahr ins Ausland, reise durch Schwarzafrika und errichte Auffangstationen für verwilderte Elefantenbabys. Mein Talent kann nicht in Noten gemessen werden, meine Kreativität nicht zu bestimmten Zeitpunkten abgeliefert werden, Auswendiglernen fördert weder das Eine, noch das Andere. Wenn Leistung nur nach bestimmten Schemata erfolgen muss, wie kann mir meine eigene da nicht wertlos vorkommen? Wie kann ich dann nicht den Spaß an dem verlieren, was ich am liebsten tue? Wieso wollen Personalchefs immer den glattgebügelten Lebenslauf und nicht die Persönlichkeit, die in den Menschen steckt? Ist Charakter denn gar nichts mehr Wert? Und machen mich die Ecken und Kanten, die Stolpersteine, die ich überwunden habe, die Hürden, die ich gemeistert habe, den Mut, den ich zum Aufgeben aufbrachte - macht mich das alles nicht denjenigen, die immer nur brav hinter den Büchern klemmten, überlegen? Nicht, dass ich was gegen Leute habe, die ihr Studium in Regelstudienzeit absolvieren oder immer schön brav bei der 2,3 landen! Es gibt Tage, an denen wünsche ich, ich wäre so. Aber den Rest der Zeit trödel ich mein Leben lieber so dahin, denke zu wenig an morgen und zu viel an gestern, an die Chancen, die ich verpasst habe und um die es mir nicht leid tut. Ich darf nostalgisch sein, denn Trauer macht mich kreativ. Ich darf in meinen Schmerzen baden, denn ich zehre von ihnen. Ich bin nicht gerade. Ich bin eine Berg- und Talfahrt. Genau wie mein Leben. Und ich liebe die luftigsten Höhen und die dunkelsten Tiefen. Denn nur wer die Dunkelheit kennt, kann das Licht schätzen.

1 Kommentar:

Carolin Bertram hat gesagt…

Ach du ... mit dem "falschen" Studium helfen auch der glatte 2er Schnitt, der Master in Regelstudienzeit und ein Auslandsaufenthalt nicht weiter ;)
Ich bin froh, dass ich bei einer Firma gelandet bin, in der ich als Mensch geschätzt werde und in der ich meine Fähigkeiten in den verschiedensten Bereichen ausprobieren und beweisen darf.
Mach, was dich glücklich macht. Für alles andere ist das Leben doch zu kurz :)