Montag, 22. April 2013

Growing old is inevitable. Growing UP is optional.


Ich hab heut Geburtstag. 23 bin ich jetzt. Ich sage das nicht, um irgendwelche halbgaren Glückwünsche von mir völlig unbekannten Menschen abzustauben oder mich hochleben zu lassen. Es ist nicht so, als würde ich meinen Geburtstag nicht mögen, aber diejenigen, die von selbst wissen, wann er ist, sind an mehr als einem Tag im Jahr froh, sich meiner Existenz und Freundschaft sicher zu sein. Außerdem halte ich ihn für unspektakulär. Zumindest dieses Jahr. Es war nass, es war kalt, ich war am Vortag mit meinem engsten Freundeskreis gemütlich essen und habe mir heute - abgesehen von zwei Arztterminen - lediglich einen selbstgemachten Kuchen gegönnt, bei dessen Anblick ich echt zu faul war, ihn zu fotografieren und sofort von zügellosem Appetit überfallen worden war. Aber davon will ich euch nicht erzählen.
Nein, ich nehme meinen Geburtstag lieber zum Anlass, um ernsthaft über das Leben zu philosphieren. Über das, was war, über das Hier und Jetzt und über das, was noch sein wird - oder zumindest geplant ist. Irgendwie fühle ich mich nämlich erwachsen. Vielleicht würde manche Einer jetzt losprusten, dass man mit dem bescheidenen Erfahrungshorizont eines zarten 23-jährigen Lebens nocht nicht von "erwachsen sein" reden kann. Aber ich denke, jeder hat seine eigene Definition von "erwachsen sein". 
Ich habe mittlerweile andere Prioritäten, als vor zwei oder drei Jahren. Was Alkohol-, Drogen- und Partyexzesse angeht, kann ich gut behaupten, absolut nichts Neues mehr zu erleben. Mit genug Kerlen hab ich in meinem Leben auch schon gevögelt, ich brauch nur noch den Einen. Ich denke plötzlich über eine feste Beziehung nach, darüber, dass ich ihn eines Tages heiraten und Kinder mit ihm kriegen will. Ich lege Wert auf gemütliches, geschmackvolles Interieur, habe meinen persönlichen Modestil gefunden und weiß, wer ich bin und was mich ausmacht.
Mit 16, 17, 18 war ich noch stolz darauf, die einzige Vegetarierin in meiner Umgebung zu sein. Ich fühlte mich individuell mit meinen Tattoos und Piercings, fand mich außergewöhnlich, weil ich hohe deutsche Literatur lese, gerne fotografiere und den härtesten Metal höre, obwohl ich kein Stück so aussehe. Ich dachte, ich sei besonders, weil ich mich keiner Subkultur anschloss und einfach das tat, was mir Spaß bereitete. Heute weiß ich, dass das alles nicht im Geringsten besonders, sondern geradezu Mainstream ist. Und dieser Umstand geht mir - heute wie damals - dezent am Arsch vorbei. 
Ich sehe, wie mein Umfeld sich ändert. Auf den Bildern meines 21. oder 22. Geburtstages sehe ich Menschenmassen, die mir gratulieren und Schnaps ausgeben. Meine Lieblingskneipe war damals noch voll von Leuten, die ich - mehr oder weniger - gut kannte. Heutzutage kenn ich da drin keinen mehr. Nur noch 16-Jährige Hänflinge, die noch nicht mal einen Führerschein besitzen. Generationswechsel. Bei meinen Eltern fühle ich mich auch nicht mehr wohl, mein Zimmer dort scheint mir zu eng und mit unliebsamen Erinnerungen gefüllt. Auf das ständige Hin- und Herreisen hab ich auch keine Lust mehr. Aus dem Koffer zu leben strengt mich heute mehr an, als dass mir die Abwechslung gut täte. Ich hab mich geändert. Ich bin zwar kein gänzlich anderer Mensch als früher, aber ich bin deutlich ruhiger geworden. Reifer, vielleicht auch etwas spießiger. Irgendwo tief drin werd ich immer ein Kind bleiben, aber das möchte ich auch beibehalten. Ich bin vielleicht noch nicht sonderlich alt, aber die Veränderungen, die ich durchgemacht habe, haben mich ein gutes Stück weit erwachsen gemacht.

Kommentare:

Billie-Jean hat gesagt…

Erst einmal ist das ein wunderschönes Bild! (:
Dein Text ist wunderschön und hat mich wirklich nachdenklich gemacht. Mh, wie werde ich es wohl finden, wenn ich mal 23 bin, haha? :b Ich wünsche dir alles Liebe und Gute zum Geburtstag!

strandgut hat gesagt…

Ja. Wenn Mann nicht weiß was er will, gibts Chaos. Aber ich hab davon ehrlich gesagt genug jetzt.

Miss Flöckchen hat gesagt…

Oh, es gibt schon genug Menschen die mit 18, 17 oder noch früher "erwachsen" sind/werden. Es kommt auf das Leben an. Was man durchmacht, wie die eigene Charakterstärke ist, usw. Es gibt solche und solche. Wie immer ebend.
Happy Birthday.

Liz van Linden hat gesagt…

alles gute nachträglich erstmal!

http://lindenlover.blogspot.de/

Anna hat gesagt…

Trotzdem alles Gute von meiner Seite!
(ich hasse es im Übrigen auch, wenn mir fremde Leute gratulieren, bei denen ich weiß, dass es nur halbherzig ist. Hab auch bei Facebook kein Geburtsdatum mehr drinnen. Kotzt mich an. Wozu brauche ich 100 FB Gratulationen, wenn davon vielleicht 10 wissen, wann mein Geburtstag ist)
Aber ich gratuliere immer gerne. Ich hoffe immer, dass sich jeder an seinem Geburtstag irgendwie besonders fühlt. Ich wünsche gerne alles Gute, weil ich finde jeder Mensch hat sich viel Liebe und Zuneigung verdient. Aber das geht ja irgendwie nicht. Gesellschaftlich gesehen müssen wir ja alle im Konkurrenzkampf sein. Deswegen dann eben an diesen einen Tag.
Erwachsen sein. Das muss jeder für isch entscheiden, eben wir du gesagt hast. Was ist denn schon erwachen? Ich hab mich immer extrem reif gefühlt und heute finde ich mich einfach nur noch wie ein kleines hilfloses Kind. Man ist eben wie man ist. Muss man sich ja nicht zwingender Maßen in Schubladen stecken, das machen ohnehin schon die anderen. ;)
Zu deinen Kommentaren: ich finde ja an Liebe und Beziehungen nichts Falsches, auch wenn Monogamie zumindest momentan überhaupt nicht in meine moralischen Vorstellen für mich persönlich passen. Aber die Gefahr besteht, dass man sich selbst nicht mehr als eigenständigen Menschen sieht. Eben von einer anderen Person abhängig macht. Ich find das nicht so gut. Für mich zumindest, was andere machen ist sowieso deren Sache. :)
Aber wenns passt, dann passts. Und es freu tmich natürlich, wenns für dich/euch passt! :)
Und zu den Fotos: ich scann sie meistens so ein. Obwohl ich momentan dabei bin mir einen Negativscanner zu besorgen.
Liebste Grüße♥

Vanessa hat gesagt…

Tolle Bilder *_*

Lg
vanessa
http://albers-fotografie.blogspot.de/

anneisnotarobot hat gesagt…

großartiger text.ich mag ihn sehr!

der text regt mich grad voll an, ein wenig über leben nachzudenken. aber erstmal über die zeit, die jetzt kommt.. erstmal bis ich 18 bin.

erschreckst du dich über deinen "wandel"?oder bist du froh darüber?

Kathy hat gesagt…

ich lese deine Texte immer so gern. Kommen viel zu selten neue. Das soll jetzt kein "vorwurf" (falsche wortwahl irgendwie) sein, sondern eher ein Kompliment, weil ich mich immer mit deinen texten identifizieren kann und du die Worte findest, die mir meistens fehlen.
ich bin zwar 3 jahre jünger und habe wohl auch noch die Prioritäten wie du damals, aber ich kann das mit dem "in die lieblingskneipe gehen" und keinen mehr kennen irgendwie verdammt gut nachvollziehen. ist bei mir mittlerweile auch schon so. früher waren da die coolen, sympathischen, alternativen leute und die heavy metler - heute gehen in meine einstige lieblingskneipe die hipster bitches, die barbiepüppchen :(

Ohh und ich hoffe, du hattest einen schönen Tag mit deinen Liebsten :)